Mittwoch, 19. Mai 2010

Der "Kampf gegen Rechts" als heilige Kuh

Zwar ist Deutschland mit dem WM-Ausfall von Michael Ballack beschäftigt, aber in der wirklichen Welt drehen sich die Dinge schon weiter. 
Eine ursprünglich sehr alte, immer wieder zerstörte und wieder aufgebaute Synagoge in Worms wurde  an mehreren Stellen angezündet. Wer die Deppen waren ist noch nicht sicher, aber SPON weiß schon ganz genau, aus welcher Ecke sie kommen müssen: der Artikel ist in der Rubrik Rechtsextremismus aufgeführt. Denn wenn eine Synagoge brennt können das nur Rechte gewesen sein. Das orthografisch und grammatisch zweifelhafte "Bekennerschreiben", dessen Authentizität bisher noch nicht geklärt ist, weist eher in eine andere Richtung und widerlegt somit die eigene Einordnung. Darin wird den Wormser Juden vorgeworfen sie ließen Palästinenser nicht in Ruhe. Ich weiß ja nicht, wieviele Palästinenser da so leben, aber sie schmachten vermutlich ein elendes Leben, unterdrückt von den Mainzer Juden, die die Synagoge nutzen. Der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Rheinland Pfalz hat übrigens knapp 3200 Mitglieder. Ich denke bei dieser geballten Macht ergeht es den Unterdrückten da schlecht.
Doch weg vom triefenden Sarkasmus. Das Muster, den Juden in Deutschland fehlende Verbundenheit zu dem Staat, in dem sie leben, vorzuwerfen, ist vermutlich so alt wie die Wormser Synagoge selbst. Anscheinend setzen immer wieder Menschen alle Juden mit Israelis gleich. Staatsrechtlich steht natürlich allen Juden ein israelischer Pass zu, aber vermutlich die wenigsten nach Deutschland statt nach Israel eingewanderten Juden haben bisher davon Gebrauch gemacht. Auch für die hier Geborenen wird das wohl zutreffen, schon, weil Deutschland so rigorose Vorschriften für eine doppelte Staatsbürgerschaft hat. 
Meiner Meinung nach passt dieser Brandanschlag auf drei verschiedene Hintergründe - eine Aufzählung wäre wohl müßig - , nur einer wird jedoch von dem meisten Meidien in Erwägung gezogen. Aus politischer Korrektheit oder Blindheit, man weiß es nicht. Man wird die Täter sowieso so schnell nicht fassen. Und wenn, wird sicherlich ein anderes Thema Deutschland bewegen. is dahin haben wir brav Menschenketten "gegen Rechts" gebildet und den Anfängen gewehrt. Lustigerweise bin ich auf einen Artikel bei dem Antifa-Portal indymedia gelandet, um da den bangen Satz zu lesen:
 Wird es in Worms vor Ort eine ANTIFA-DEMO geben, um diese antisemitische Gewalttat zu skandalisieren?
 Die haben den Artikel in die Rubrik Antifa gesteckt und sich damit mindestens so blind wie der Spiegel gestellt. Ich bin schon gespant auf den Aufmarsch der Antifa mit Pali-Tüchern und "free Palestine"-Shirts, die im Glauben des antifaschistischen Kampfes die antizionistischen Motive des Bekennerschreibens am Körper tragen. Darüber zu lachen wäre wohl zynisch.

Dienstag, 18. Mai 2010

Heart and Soul

 (Quelle)

Mit einem kurzen Video möchte ich an den 30. Todestag von Ian Curtis erinnern. Die von mir bei Youtube hochgeladenen Videos sind ja alle mit Liedern von Joy Division  unterlegt, es wäre wohl zuviel des Guten, würde ich sie meinen Lesern schon wieder vorsetzen. 



Zu sentimental werde ich jetzt aber nicht werden, man muss es ja nicht übertreiben. Es reicht, wenn irgendwelche Hippies noch heute an Jim Morrisons Grab ihren Rausch ausleben. Ian Curtis hätte das nicht verdient. Wer ihn noch nicht kennt, sollte sich mal den Film "Control" ansehen. Einige der Gesangseinlagen sind zwar nicht unbedingt gut gelungen, aber ansonsten ist er doch sehenswert.

Montag, 17. Mai 2010

Artaxerxes und der Wahn der Wissenschaft

Der heutige Tatort, den ich mir - eine Premiere - in der Groove Station angesehen habe, hat mich nachdenklich gestimmt. Es war wieder Tatort aus Münster, die normalerweise immer für gute Unterhaltung bürgen und sich durch ihre Dialoge auszeichnen. Was mich nun anregte ist die Geschichte um den Archäologen, der unbedingt sein theoretisches Wissen um Mumifizierungen anwenden will. Damit stellt sich unweigerlich die Frage, wie weit Wissenschaftler für Erfolg und Ruhm zu gehen bereit sind. Das Leben in der Forschung wäre mir auch zu anstrengend, die Gefahr, ein Fachidiot zu werden, schwebt wohl immer über einem. Aber ist es Forschungserfolg wirklich wert, Ergebnisse zu fälschen? Wie lässt sich dies mit dem Anspruch der ernsthaften Wissenschaftlichkeit vereinbaren? Einen Forscher umgibt meistens die Aura des ernsthaften Theoretikers - was von Justus von Dohnányi übrigens wunderbar gespielt wurde - die ihn vom Verdacht der Fälschung zunächst freihält. Möglicherweise verführt dieser Anspruch auch dazu, die Grenzen zu überschreiten. Der Archäologe selbst hat nicht gemordet, was auch eine unnötige Wendung der Geschichte gewesen wäre, aber einen "gefundenen" Leichnam zu mumifizieren, um der Fachwelt ein aufregendes Ereignis präsentieren zu können, ist moralisch dennoch seh bedenklich. Die Story kann auch dazu anregen, vermeintlich bewiesene wissenschaftliche Ergebnisse zu hinterfragen. Sollte der Drehbuchschreiber intendiert haben, diesen Effekt beim Zuschauer zu bewirken, war er bei mir zumindest erfolgreich, bzw. hat er mich in meinem bisherigen Denken bestätigt. Für die Anderen bleibt vielleicht das ungefragte Einmischen und Hinterfragen einfach eine Art "morbus Boerne".

Nicht jeder ist ein Poet

Aber nicht jeder sieht das auch ein. Ich war durchaus erfreut darüber, dass ich für einen Jazz-Poetry Slam Eintrittskarten gewonnen hatte. Allen Vorurteilen über pseudointellektuelle selbsternannte Künstler zum Trotz wollte ich mir die Sache eben selbst einmal ansehen. Schon der zweifelhaft wirkende Glückwunsch zu meinem Gewinn hätte uns zur Umkehr bewegen sollen. Das Publikum bestand natürlich aus den üblichen studentischen Gestalten, die sich beflissen mit Bionade betranken. Die folgenden Texte waren meist wenig unterhaltsam und  auch inhaltlich von eher durchschnittlichem Gehalt. Der Vortragende, der wohl der DKP entstammte, hatte leider eine so große Fanbasis mit, dass jedes seiner schlecht gereimten Stücke - z.B. über deutsche Agressoren in Afghanistan - tatsächlich noch bejubelt wurde. Die meisten anderen kannten scheinbar kaum andere Themen als hübsche Mädchen. Ganz ehrlich, ist diese ständige Mann-Frau-Kiste nicht mal ausgetreten? Ist das nicht eher Mario Barth mit intellektuellem Anstrich? Natürlich war nicht alles so schlecht, aber nichts riss mich wirklich vom Hocker, lachen mussten wir vor allem an den unpassendsten Stellen. Aber ganz sicher nicht über den Inhalt der vorgetragenen Texte.
Ich bin mir nicht sicher, inwieweit dieser Poetry Slam repräsentativ ist, aber soll das wirklich künstlerisch sein? Die ewig gleichen Themen, mit Pathos vorgetragen, oft auch noch schlecht gereimt und das Publikum schien hochentzückt. Irgendetwas scheint mir da abzugehen. Das Beste an dem Abend war die Band, die den jeweiligen Poeten begleitete. Sie waren die wahren Künstler an dem Abend, da sie ihre Musik gut an die jewiligen Texte angepasst haben. Nun bleibt als Quintessenz des Abends aber auch noch eine andere Frage: Was ist Kunst?